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Betrieb von Druckluftanlagen: Strategien und Best Practices

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Betrieb von Druckluftanlagen: Strategie

Betrieb von Druckluftanlagen: Strategie

Druckluft ist in der Industrie eine unverzichtbare, aber auch sehr kostspielige Energiequelle. In vielen Betrieben macht die Erzeugung von Druckluft einen erheblichen Teil des Energieverbrauchs aus und bietet somit ein enormes Optimierungspotenzial. Schätzungsweise 70–80 % der Lebenszykluskosten von Druckluftanlagen entfallen auf Stromverbrauch, was die Bedeutung effizienter Betriebsweisen unterstreicht. Durch geeignete Maßnahmen – von technischen Verbesserungen bis zur Leckageminimierung – lassen sich oft 30 % und mehr des Energieeinsatzes einsparen, in Einzelfällen sogar bis zu 50 

Es erfordert der effiziente, sichere Betrieb von Druckluftanlagen ein ganzheitliches Vorgehen. Technische Optimierungen (Energieeffizienzsteigerung, Leckagevermeidung, Druckoptimierung, Wärmerückgewinnung, etc.) müssen Hand in Hand gehen mit organisatorischen Strategien (Lebenszyklusbetrachtung, Schulung und klare Zuständigkeiten, Risikomanagement) sowie der strikten Einhaltung regulatorischer Vorgaben und Normen. Die Rolle des Facility Managements ist dabei, diese verschiedenen Dimensionen zu integrieren und kontinuierlich zu überwachen. Wenn Druckluft als kritische Versorgungsinfrastruktur verstanden und entsprechend gemanagt wird, ergeben sich erhebliche Vorteile: deutliche Energie- und Kosteneinsparungen, erhöhte Anlagenzuverlässigkeit und Betriebssicherheit sowie ein Beitrag zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Für verantwortliche Entscheider im Facility Management heißt das, Druckluft nicht als selbstverständlich gegeben hinzunehmen, sondern als Hebel für Effizienz und Exzellenz zu nutzen – gestützt auf fundierte Daten, bewährte Best Practices und einen stetigen Verbesserungsprozess.

Technische Aspekte des Betriebs von Druckluftanlagen - Energieeffizienz optimieren

Die energieeffiziente Erzeugung von Druckluft ist eine zentrale technische Herausforderung. Der Wirkungsgrad der Drucklufterzeugung ist relativ niedrig – beispielsweise wandeln konventionelle Schraubenkompressoren rund 95 % der aufgenommenen elektrischen Energie in Abwärme um, die ungenutzt an die Umgebung abgegeben wird. Umso wichtiger ist eine effiziente Anlagenauslegung und Betriebsführung: Bei wechselndem Bedarf sollten drehzahlgeregelte Kompressoren (Variable Speed Drive) zum Einsatz kommen, da diese im Teillastbetrieb deutlich weniger Energie verschwenden als einfache Volllast-Leerlauf-geregelte Geräte. Mehrere Kompressoren werden idealerweise über eine zentrale Steuerung mit engem Druckband betrieben, sodass Lastanteile optimal verteilt werden und Leerlaufzeiten minimiert werden. Moderne Anlagen integrieren außerdem alle Komponenten – vom Ansaugluftfilter bis zum Trockner – in die Steuerung, um Smart-Engineering-Konzepte zu ermöglichen. Wichtig ist auch, die Aufbereitung der Druckluft an den tatsächlichen Bedarf anzupassen: Ein unnötig niedriger Drucktaupunkt oder überfeine Filterung verursachen vermeidbaren Energieaufwand und sollten vermieden werden. So ist z.B. Kältetrocknung gegenüber Adsorptionstrocknung zu bevorzugen, wenn extrem trockene Luft nicht zwingend erforderlich ist. Durch solche Maßnahmen kann die Drucklufterzeugung insgesamt deutlich effizienter gestaltet werden.

Leckagevermeidung und -beseitigung

Leckagen in Druckluftnetzen erreichen oft beträchtliche Ausmaße und gelten als wesentliche Energieverschwendung. Ohne systematisches Leckagemanagement gehen in vielen Betrieben 20–50 % der erzeugten Druckluft durch Undichtigkeiten verloren. Dies verursacht kontinuierlich Kosten: Beispielsweise kann ein einziges Leck von 5 mm Durchmesser bei 6 bar rund 17.000 € Stromkosten pro Jahr verursachen. Die Minimierung von Leckagen zählt daher zu den wirkungsvollsten Effizienzmaßnahmen. Empfohlen wird, die Leckagerate im Netz auf unter ca. 10 % zu begrenzen. Dazu sollten regelmäßig Undichtigkeiten aufgespürt (etwa mittels Ultraschallmessgeräten) und umgehend beseitigt werden. Außerdem ist es sinnvoll, Druckluftnetze oder Teilstränge außerhalb der Produktionszeiten abzusperren, um Leckageverluste über Nacht oder am Wochenende zu vermeiden. In Summe können solche Maßnahmen die Druckluft-Energiekosten erheblich senken – Untersuchungen berichten von Einsparungen bis zu 50 % allein durch konsequente Leckagebeseitigung.

Druckregelung und -steuerung

Der Netzdruck einer Anlage sollte so niedrig wie möglich eingestellt werden, jedoch ausreichend für alle Verbraucher. Jeder unnötige bar an zusätzlichem Druck erhöht den Energieverbrauch der Verdichter erheblich – Schätzungen liegen bei ca. 6–10 % Mehrverbrauch pro bar. Erfahrungswerte zeigen, dass in vielen Fällen das Druckniveau ohne Nachteile um etwa 1 bar abgesenkt werden kann, was etwa 7 % Energieersparnis entspricht. Eine genaue Ermittlung des tatsächlich benötigten Mindestdrucks (unter Berücksichtigung von Druckverlusten und Schaltschwellen) ist daher ratsam, anstatt großzügige „Sicherheitszuschläge“ aufzuschlagen.

Zugleich sind Druckverluste im Verteilnetz möglichst gering zu halten. Als Faustregel gilt, dass vom Kompressor bis zum entferntesten Verbraucher der Druckabfall insgesamt nicht mehr als etwa 1 bar betragen sollte. Dies erfordert ausreichend dimensionierte Rohrleitungen, möglichst kurze Fließwege, wenige Engstellen (z.B. Winkel, Ventile) und saubere Filter. Maßnahmen zur Reduzierung von Druckabfall amortisieren sich meist in kurzer Zeit, da ein unnötiger Druckabfall z.B. von 1 bar auch die Leistung pneumatischer Werkzeuge um etwa 30 % mindern kann, was wiederum Arbeitszeiten verlängert. Bei stark schwankendem Luftbedarf empfiehlt sich der Einbau von genügend großen Druckluftbehältern als Puffer, um Lastspitzen abzufangen und ein konstantes Druckband zu ermöglichen. In Anlagen mit mehreren Kompressoren sollte eine übergeordnete Steuerung eingesetzt werden, die alle Verdichter auf einen gemeinsamen Netzdruck regelt, statt eine breite Druckkaskade mit Einzelsteuerungen zu fahren – so lässt sich die Gesamtdruckschwankung oft auf wenige Zehntel bar reduzieren. Falls nur einzelne Verbraucher ein höheres Druckniveau brauchen, ist es meist wirtschaftlicher, hierfür lokale Nachverdichter (Booster) oder ein separates Hochdrucknetz einzusetzen, anstatt das gesamte System dauerhaft auf den höchsten benötigten Druck zu bringen. Durch solche Strategien der Druckregelung wird sichergestellt, dass kein Bar mehr als nötig erzeugt wird – was unmittelbare Energieeinsparungen zur Folge hat.

Wärmerückgewinnung aus Druckluftanlagen

Die bei der Verdichtung entstehende Wärme stellt ein beträchtliches Energiesparpotenzial dar: Theoretisch sind über 90 % der Antriebsenergie als Wärme nutzbar. Ohne Wärmerückgewinnung geht diese Abwärme jedoch meist ungenutzt an die Umgebung verloren. Durch den Einbau eines Wärmerückgewinnungssystems (z.B. Wärmetauscher im Öl- oder Kühlkreislauf) lässt sich die Abwärme stattdessen sinnvoll verwenden – etwa zum Beheizen von Hallen oder zum Erwärmen von Brauch- und Prozesswasser. Praxisbeispiele zeigen, dass auf diese Weise bis zu ~90 % der eingesetzten Energie zurückgewonnen werden können und Vorlauftemperaturen von 60–70 °C erreicht werden. So kann die Kompressorabwärme direkt in ein bestehendes Heizsystem eingespeist oder zur Warmwasserbereitung genutzt werden. Wärmerückgewinnung verbessert damit nicht nur die Energieeffizienz der Anlage, sondern reduziert auch den Bedarf an externer Heizenergie (und damit Betriebskosten und CO₂-Emissionen) erheblich. Angesichts steigender Energiekosten und Klimaschutzvorgaben (siehe GEG in Abschnitt 3) zählt die Nutzung der Verdichter-Abwärme heute zu den Best Practices im Druckluftbetrieb.

Instandhaltung und Wartung

Eine systematische Instandhaltung der Druckluftanlage ist unerlässlich, um einen effizienten und sicheren Betrieb dauerhaft zu gewährleisten. Verstopfte Ansaugfilter, verschlissene Ventile oder interne Undichtigkeiten im Verdichter können den Lieferstrom reduzieren und den Energieverbrauch erhöhen. Durch rechtzeitigen Austausch solcher Verschleißteile bleibt der Kompressorwirkungsgrad erhalten und teure Mehrverbräuche werden vermieden. Best Practices umfassen regelmäßige Inspektionen gemäß Wartungsplan, das turnusmäßige Wechseln von Filtern und Öl sowie die Überprüfung von Kondensatableitern und Sicherheitseinrichtungen. Moderne elektronisch niveaugeregelte Kondensatableiter verhindern beispielsweise Leckagen beim Kondensatabfluss und tragen so ebenfalls zur Effizienz bei. Zudem sollte auf einen sauberen Ansaugbereich (kühle, staubarme Luft) geachtet werden, da verschmutzte Ansaugluft zu Ablagerungen und höherem Energieaufwand in der Aufbereitung führt. Insgesamt führt eine proaktive, planmäßige Wartungsstrategie zu höherer Verfügbarkeit und verlängert die Lebensdauer der Anlage, während sie gleichzeitig das Sicherheitsrisiko minimiert. Dies deckt sich auch mit gesetzlichen Vorgaben – so schreibt die Betriebssicherheitsverordnung regelmäßige Prüfungen und Wartungen vor (siehe Abschnitt 3).

Digitalisierung und Monitoring (Druckluft 4.0)

Die fortschreitende Digitalisierung (Stichwort Druckluft 4.0) eröffnet neue Möglichkeiten, den Betrieb von Druckluftsystemen transparent zu überwachen und vorausschauend zu optimieren. Digitale Sensorik erfasst alle relevanten Parameter – von Systemdruck und Volumenstrom über den Taupunkt bis zum Energieverbrauch – in Echtzeit. Diese Daten werden in Monitoring-Plattformen (häufig Cloud-basiert) gebündelt, wo sie dem Betreiber via Dashboard und Alarmsysteme jederzeit zugänglich sind. Auf dieser Basis werden Condition Monitoring und prädiktive Wartung möglich: Abweichungen oder schleichende Effizienzverluste (z.B. ein ungewöhnlicher Druckabfall oder ein Anstieg des spezifischen Energieverbrauchs) können frühzeitig erkannt werden. IoT-gestützte Analysen erlauben es, Wartungsbedarfe prognostisch zu ermitteln und genau zum richtigen Zeitpunkt einzugreifen, anstatt rein intervallbasiert oder reaktiv zu warten. In der Praxis bieten bereits Dienstleister Monitoring-as-a-Service-Lösungen an, die Sensorik, Datenanbindung und Analytik kombinieren. Darüber hinaus lässt sich die Druckluftanlage in übergeordnete Energiemanagement- und Facility-Management-Systeme integrieren, was einen ganzheitlichen Überblick ermöglicht. Beispielsweise werden Verbrauchsdaten automatisch ins Energiemonitoring übernommen (wichtig für ISO-50001-Berichte) und Wartungsdaten ins CAFM-System eingespielt. Insgesamt trägt die Digitalisierung dazu bei, Versorgungssicherheit und Effizienz zu steigern, indem sie menschliche Entscheidungen mit datengestützten Erkenntnissen unterstützt.

Organisatorische und strategische Integration im Facility Management - Lebenszyklusansatz und Planung

Bereits in der Planungs- und Beschaffungsphase sollte ein umfassender Lebenszyklusansatz verfolgt werden. In Lastenheften und Ausschreibungen sind Effizienzanforderungen und Qualitätsstandards früh festzuschreiben – beispielsweise Vorgaben zur Energieeffizienz gemäß DIN EN ISO 50001 und zur Druckluftqualität gemäß ISO 8573-1. Anstatt allein auf minimale Investitionskosten zu schauen, müssen die Lebenszykluskosten (Total Cost of Ownership, TCO) betrachtet werden, denn insbesondere die Energiekosten dominieren über die Nutzungsdauer (typisch ~70 % der Gesamtkosten). So rechnet sich die Anschaffung energieeffizienter Kompressoren oder von Zusatzeinrichtungen wie Wärmerückgewinnung oft bereits nach kurzer Zeit über die eingesparten Stromkosten. Genauso sollte die Zukunftsfähigkeit mitgedacht werden: z.B. kann eine modulare Anlagenkonzeption es erleichtern, bei steigendem Luftbedarf weitere Kompressormodule effizient zuzuschalten, statt von vornherein eine überdimensionierte (und zunächst ineffizient im Teillastbetrieb laufende) Anlage auszulegen. Auch der zukünftige Wartungsaufwand und Ersatzteilbedarf sollten in Wirtschaftlichkeitsrechnungen einfließen. Zusammengefasst sorgt ein Lebenszyklusansatz dafür, dass Entscheidungen nicht kurzfristig (beschaffungsgetrieben), sondern auf den langfristig optimalen Betrieb ausgerichtet werden.

Ressourcennutzung und Effizienz der Anwendung

Unter Ressourcennutzung versteht sich der effiziente Einsatz der bereitgestellten Druckluft im Betrieb. In vielen Unternehmen wird Druckluft noch verschwenderisch für ungeeignete Zwecke genutzt – etwa zum Ausblasen von Anlagen oder zum Reinigen von Arbeitsbereichen, was teils 20–70 % des Gesamtverbrauchs ausmachen kann. Solche Anwendungen sollten kritisch hinterfragt werden: Wo möglich, sind energetisch günstigere Alternativen (elektrische Gebläse, Staubsauger etc.) einzusetzen. Wo Druckluft unverzichtbar bleibt, helfen technische Optimierungen, den Verbrauch zu reduzieren – zum Beispiel der Einsatz speziell konstruierter Blasdüsen anstelle offener Rohre, wodurch sich beim Ausblasen etwa 35 % der aufgewendeten Energie einsparen lassen. Ebenso sollten nicht benötigte Verbraucher konsequent vom Netz getrennt werden (z.B. mittels automatischer Absperrventile außerhalb der Betriebszeiten), damit keine Luft ins Leere strömt. Eine bewusste Ressourcennutzung erfordert auch die Sensibilisierung der Mitarbeiter: In vielen Belegschaften gilt Druckluft fälschlich als „kostenloses“ Hilfsmittel, was zu nachlässigem Umgang führt. Schulungen und interne Richtlinien (etwa Verbot, Druckluft zur Reinigung des Arbeitsplatzes zu nutzen) können hier Abhilfe schaffen. Insgesamt sollte Druckluft als wertvolle Energie- und Arbeitsressource betrachtet werden, mit der ebenso sparsam umzugehen ist wie mit Strom oder Wasser.

Organisation und Zuständigkeiten

Ein weiterer Schlüsselfaktor ist die klare organisatorische Zuständigkeit für die Druckluftversorgung. Im Unternehmen – typischerweise im technischen Facility Management oder der Betriebstechnik – sollte explizit festgelegt sein, wer die Betreiberverantwortung für die Druckluftanlage trägt, inklusive der Einhaltung aller Sicherheits- und Effizienzvorgaben. Häufig wird Druckluft als zentrale Versorgungsinfrastruktur vom Facility-Management-Team betreut, in enger Abstimmung mit der Produktion (die die Luft nutzt). Diese bereichsübergreifende Kooperation ist entscheidend, um z.B. Wartungsfenster mit der Fertigung zu koordinieren und ineffiziente Nutzungsweisen in den Produktionsprozessen zu identifizieren und abzustellen. Einige Unternehmen lagern die Druckluftversorgung auch an externe Dienstleister aus (Druckluft-Contracting): In solchen Modellen übernimmt ein Anbieter Betrieb und Wartung der Kompressoren, während der Kunde die Druckluft nach Verbrauch (ähnlich einem Versorgungsdienst) bezahlt. Der Vorteil liegt in der Konzentration auf das Kerngeschäft und einer garantierten Verfügbarkeit durch den Dienstleister. Dennoch bleibt auch bei Outsourcing eine Kontrollfunktion im eigenen Haus nötig – das Facility Management muss Kennzahlen überwachen, Verträge managen und sicherstellen, dass der Dienstleister die vereinbarten Effizienz- und Qualitätsziele einhält. Generell gilt: Ein definiertes Druckluft-Management (mit Verantwortlichen, Reporting und kontinuierlichem Verbesserungsprozess) hilft, die Anlage langfristig optimal zu betreiben.

Risikomanagement und Sicherheit

Ein systematisches Risikomanagement ergänzt die technischen und organisatorischen Optimierungen. Dazu zählt zunächst die Gefährdungsbeurteilung gemäß §5 ArbSchG, um mögliche Sicherheitsrisiken – z.B. durch hohen Druck, Explosion oder Lärm – frühzeitig zu identifizieren und durch geeignete Maßnahmen zu minimieren. Die Einhaltung der Betreiberpflichten aus Gesetzen und Regeln ist essenziell: So schreibt die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) regelmäßige Prüfungen von Druckbehältern und Sicherheitseinrichtungen durch befähigte Personen vor, um einen sicheren Zustand der Anlage zu gewährleisten. Technische Normen wie DIN EN 1012-1 spezifizieren zudem konkrete Anforderungen an die Betriebssicherheit von Kompressoren (z.B. bezüglich Überdruckventilen und Notabschaltungen).

Wichtig im Risikomanagement ist auch die Betriebszuverlässigkeit. Ein ungeplanter Kompressorausfall kann Produktionsstillstand bedeuten; daher werden oft Redundanzen vorgesehen (z.B. ein Reservekompressor oder ein mobiler Mietkompressor im Notfall) und es existieren Notfallpläne, um die Versorgung bei Störungen aufrechtzuerhalten. Kontinuierliches Monitoring spielt ebenfalls eine Rolle: Digitale Überwachungssysteme (siehe Digitalisierung oben) ermöglichen es, Trends zu erkennen (z.B. steigende Leckageraten oder Temperaturanstiege) und proaktiv einzugreifen, bevor es zum Ausfall kommt. Neben internen Risiken müssen auch externe Risiken berücksichtigt werden. Hierzu zählen etwa regulatorische Änderungen (verschärfte Umweltauflagen wie z.B. durch die TA Luft, die technische Anleitung Luft) oder steigende Energiekosten, die den Betrieb beeinflussen. Schließlich gewinnt die IT-Sicherheit an Bedeutung: Vernetzte Druckluftsteuerungen können Cyber-Bedrohungen ausgesetzt sein, was entsprechende Schutzmaßnahmen (Firewalls, Zugriffskontrollen, Updates) erfordert, um Manipulationen oder Ausfälle durch Hackerangriffe zu verhindern. Ein ganzheitliches Risikomanagement umfasst somit Sicherheits-, Versorgungs- und Compliance-Risiken gleichermaßen und stellt sicher, dass die Anlage robust gegenüber Störfällen und Veränderungen betrieben wird.

Regulatorische Rahmenbedingungen und technische Normen - Energiemanagement und Effizienzstandards

Aufgrund der hohen Energieintensität von Druckluftanlagen spielen Energieeffizienz-Vorschriften und -Normen eine große Rolle. Allen voran ist hier die DIN EN ISO 50001 (Energiemanagementsysteme) zu nennen. Unternehmen mit ISO-50001-Zertifizierung verpflichten sich, ihre energiebezogene Leistung kontinuierlich zu verbessern – was in der Praxis bedeutet, dass auch Druckluftsysteme regelmäßig überwacht und optimiert werden. So werden typischerweise Kennzahlen für die Drucklufteffizienz (z.B. kWh/Nm³) im Rahmen des Energiemanagements erhoben und Einsparmaßnahmen planmäßig umgesetzt. Die EU-Energieeffizienz-Richtlinie (2012/27/EU), in Deutschland umgesetzt durch das Energiedienstleistungsgesetz (EDL-G), schreibt zudem für Großunternehmen regelmäßige Energieaudits vor. Dabei stehen Druckluftanlagen aufgrund ihres hohen Einsparpotenzials meist im Fokus der Auditberichte. Ergänzend existieren spezifische Normen wie DIN EN ISO 11011, welche eine standardisierte Druckluft-Energieeffizienzbewertung bieten. Eine solche Druckluft-Effizienz-Bewertung nach ISO 11011 hilft Betrieben, Einsparpotenziale systematisch zu identifizieren und ihre Energieeffizienz deutlich zu verbessern. Auch normative Leitfäden (z.B. EN 16247-5 in der EU für Energieaudits von Druckluftsystemen) liefern methodische Unterstützung. Insgesamt bilden diese Standards den Rahmen dafür, dass Betriebe ihre Druckluftversorgung nicht isoliert, sondern als Teil ihres Energiemanagements verstehen und entsprechend optimieren.

Qualitäts- und Reinheitsnormen für Druckluft

In vielen Anwendungen – insbesondere in der Lebensmittel-, Pharma- oder Elektronikindustrie – ist die Druckluftqualität entscheidend. Um diese objektiv zu bewerten, gibt es internationale Normen der ISO-8573-Reihe. Insbesondere definiert ISO 8573-1 (DIN ISO 8573-1:2010) verbindliche Reinheitsklassen für Druckluft hinsichtlich Partikelgehalt, Feuchte (Drucktaupunkt) und Ölgehalt. Die Klassifikation erfolgt über ein dreistelliges Kennzahlensystem, das maximale Partikelgrößen/-konzentrationen, Restfeuchte und Restölgehalt angibt. Je nach Einsatzgebiet werden unterschiedliche Reinheitsklassen gefordert – etwa sehr trockene, ölfreie Luft der Klassen 1–2 für Lebensmittelproduktion oder Medizintechnik, während für pneumatische Werkzeuge in der Industrieklasse 4 oder 5 genügen mag. Die Einhaltung der passenden Qualitätsklasse ist nicht nur aus Produktschutzgründen wichtig, sondern oft auch regulatorisch verankert (z.B. über Hygienerichtlinien, GMP-Anforderungen etc. in sensiblen Branchen). Daher sollten Druckluft-Aufbereitungskomponenten (Filter, Trockner, Ölabscheider) so ausgewählt, betrieben und gewartet werden, dass die erforderliche ISO-8573-Qualität kontinuierlich erreicht wird. Regelmäßige Qualitätsmessungen (z.B. Partikelzählung, Taupunktmessung) sind empfehlenswert, um die Normkonformität zu verifizieren.

Neben ISO 8573 existieren weitere relevante Standards, etwa ISO 12500 für Prüfverfahren von Druckluftfiltern, die hier aber nicht im Detail behandelt werden. Zusammenfassend gewährleisten Qualitätsnormen, dass die vom Facility Management gelieferte Druckluft die benötigte Reinheit besitzt und keine Produktionsprozesse oder Produkte durch Verunreinigungen gefährdet.

Sicherheitsvorschriften und Umweltauflagen

Sicherheitsrechtlich unterliegen Druckluftanlagen einer Reihe von Gesetzen und technischen Regeln. In Deutschland gilt die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) für den Betrieb von Druckbehältern, Verdichtern und allen überwachungsbedürftigen Anlagen. Sie schreibt unter anderem regelmäßige sicherheitstechnische Prüfungen vor (z.B. wiederkehrende Prüfungen von Behältern alle 5 Jahre, innere Prüfungen etc.) durch zugelassene Sachverständige, um einen sicheren Zustand zu gewährleisten. Zudem fordert das Arbeitsschutzgesetz eine angemessene Unterweisung der Mitarbeiter im sicheren Umgang mit Druckluftanlagen (ArbSchG §12). Auf EU-Ebene regelt die Druckgeräterichtlinie (2014/68/EU) die grundlegenden Sicherheitsanforderungen an Bau und Inverkehrbringen von Druckbehältern und -ausrüstung – ihre Einhaltung (durch CE-Kennzeichnung dokumentiert) ist Voraussetzung dafür, dass eine Druckluftanlage überhaupt betrieben werden darf. Ergänzend geben Normen wie DIN EN 1012-1 „Kompressoren und Vakuumpumpen – Sicherheitsanforderungen“ detaillierte technische Vorgaben, z.B. zur Auslegung von Sicherheitsventilen, Not-Aus-Schaltungen und Kühlsystemen, um Gefährdungen durch Überdruck oder Ausfall von Kühleinrichtungen vorzubeugen. Auch steuerungstechnische Sicherheitsstandards (z.B. DIN EN ISO 13849 für die funktionale Sicherheit von Steuerungen) können bei modernen, vernetzten Kompressorsystemen relevant sein.

Umweltrechtlich müssen Druckluftanlagen vor allem hinsichtlich Emissionen und Abfall die Vorgaben einhalten. Die Technische Anleitung Luft (TA Luft) legt Grenzwerte für Luftschadstoff-Emissionen fest, die bei größeren Kompressorstationen oder bei mit Verbrennungsmotor angetriebenen Verdichtern relevant werden können. So ist beispielsweise sicherzustellen, dass austretende ölhaltige Aerosole aus Druckluft nicht ungefiltert in die Umgebung gelangen. Weiterhin verursachen Druckluftstationen Lärmemissionen – hier greifen das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) und ggf. örtliche Lärmschutzauflagen, die bei der Aufstellung (Schallschutzkabinen, Abstände) berücksichtigt werden müssen. Ein oft unterschätztes Thema ist das anfallende Kondensat aus Drucklufttrocknern und Behältern: Dieses Wasser-Öl-Gemisch gilt als gefährlicher Abfall, der nach Wasserrecht nicht einfach in die Kanalisation eingeleitet werden darf. Betriebe sind verpflichtet, Kondensat aufzubereiten (z.B. über Öl-Wasser-Trennsysteme nach ISO separator-Norm) oder fachgerecht zu entsorgen, um Boden und Gewässer nicht zu kontaminieren. Schließlich sei auf das Gebäudeenergiegesetz (GEG) hingewiesen: Dieses fordert u.a., dass Abwärme, die bei technischen Anlagen anfällt, nach Möglichkeit innerhalb des Gebäudes genutzt wird. Für Druckluftstationen bedeutet das, dass die Integration von Wärmerückgewinnung – z.B. Einspeisung der Kompressorabwärme in die Heizung – nicht nur ökonomisch, sondern auch im Sinne des Gesetzgebers geboten ist. Insgesamt müssen Facility Manager sicherstellen, dass alle diese Vorschriften eingehalten werden. Dies erfordert oft die Erstellung von Betriebsanweisungen, regelmäßige Schulungen, Prüfprotokolle sowie gegebenenfalls die Zusammenarbeit mit externen Sachverständigen und Behörden. Die Regelkonformität ist nicht nur Pflicht, sondern trägt auch wesentlich zur Betriebssicherheit und Nachhaltigkeit bei.

Praxisbeispiele und KPIs - Wirtschaftlichkeitsbewertung von Maßnahmen

Viele der genannten Optimierungsmaßnahmen steigern nicht nur die technische Performance, sondern lohnen sich auch ökonomisch. Da die Energiekosten den größten Anteil der Gesamtkosten einer Druckluftanlage ausmachen, führen Einsparungen hier unmittelbar zu erheblichen Kostenvorteilen. Leckage-Ortung und -Behebung beispielsweise erfordern oft nur geringen Aufwand, können aber tausende Euro an Stromkosten pro Jahr einsparen (man denke an das obige Beispiel: ein einzelnes 5 mm-Leck verursacht ~17 k€ Energiekosten jährlich). Ähnlich zeigt sich bei der Druckreduzierung: Jede Reduktion um 1 bar senkt die Stromkosten um etwa 6–10 %, ohne Investition außer vielleicht in Manometer und Regeltechnik. Investive Maßnahmen wie Wärmerückgewinnung oder der Tausch alter Kompressoren gegen hocheffiziente Modelle haben zwar anfänglich höhere Kosten, amortisieren sich aber oft in wenigen Jahren durch die Einsparungen im Betrieb. Entscheidend ist hier die ganzheitliche Wirtschaftlichkeitsbetrachtung über den Lebenszyklus. Mittels Lebenszykluskostenrechnung (LCC) lässt sich zeigen, dass ein zunächst teurerer, effizienterer Kompressor über z.B. 10 Jahre Laufzeit deutlich geringere Gesamtkosten verursacht als ein günstiger, aber ineffizienter – insbesondere bei hoher Auslastung. Auch Einsparungen bei Wartung und Ausfallkosten (durch höhere Zuverlässigkeit) sollten in die Kalkulation einbezogen werden. Viele Energieagenturen und Fördereinrichtungen bieten inzwischen Tools oder Beratungen für solche Wirtschaftlichkeitsanalysen an. Zudem gibt es staatliche Förderprogramme, die Investitionen in energieeffiziente Drucklufttechnik unterstützen, was die Rentabilität weiter verbessert.

Um die Leistung einer Druckluftanlage transparent zu machen, werden Kennzahlen (KPIs) eingesetzt. Zentrale Effizienz-Kennzahlen sind z.B. der spezifische Energieverbrauch in kWh pro erzeugtem Normkubikmeter Luft (oder alternativ die Energiekosten pro erzeugtem m³), der Anteil der Leckageverluste (%) am Gesamtdurchsatz sowie das Niveau des Netzdrucks (bar) und dessen Stabilität. Solche Kennzahlen ermöglichen es, Fortschritte zu verfolgen und Ziele zu setzen (z.B. „Leckagerate unter 5 % halten“). Ebenso lassen sich KPIs zur Betriebssicherheit definieren, etwa die Verfügbarkeit der Druckluftversorgung (% der Zeit mit ausreichendem Druck) oder die Anzahl ungeplanter Anlagenausfälle pro Jahr. Durch regelmäßiges Erfassen und Auswerten dieser Kennzahlen erkennt das Facility Management frühzeitig negative Trends und kann gegensteuern.

Im Folgenden werden einige wichtige KPIs exemplarisch gegenüber typischen Zielwerten dargestellt (Tabelle 1):

Kennzahl

Typischer Wert (Ist)

Best Practice (Zielwert)

Leckageverlust (% der erzeugten Luft)

20–30 % (ohne Leckage-Management häufig)

< 10 % (durch konsequente Leckageortung)

Spezifischer Energiebedarf (kWh/Nm³ bei 7 bar)

~0,18 kWh/Nm³ (entspr. ca. 1,1 Cent/Nm³)

~0,09 kWh/Nm³ (entspr. ca. 0,5 Cent/Nm³, hocheffiziente Anlage)

Betriebsdruck des Netzes (bar)

7–8 bar (häufig mit Sicherheitszuschlag)

~6 bar (bedarfsgerecht; jeder 1 bar weniger spart ~6–10 % Energie)

Wärmerückgewinnung genutzt (%)

0 % (Abwärme ungenutzt abgeführt)

> 70 % (Abwärmenutzung für Heizung/Prozesswärme)

Versorgungsverfügbarkeit (%)

~97–98 % (vereinzelte Ausfälle pro Jahr)

≥ 99,9 % (nahezu unterbrechungsfrei durch Redundanz)

Ausgewählte Kennzahlen für Druckluftanlagen – Vergleich typischer Ist-Werte mit Best-Practice-Zielen (Richtgrößen).

Durch Benchmarking solcher Kennzahlen mit branchenüblichen Referenzwerten lässt sich beurteilen, wo die eigene Anlage steht. Beispielsweise gelten Leckageraten über 20 % als deutlich verbesserungswürdig, während < 10 % als Stand der Technik angesehen werden. Ähnlich liegen die spezifischen Energiekosten moderner Druckluftsysteme teils 30–50 % niedriger als bei veralteten Anlagen – ein Hinweis darauf, welches Einsparpotenzial durch Upgrades realisiert werden kann. Solche Vergleiche helfen, weitere Optimierungsmaßnahmen zu priorisieren.

Ein Praxisbeispiel illustriert die möglichen Erfolge: In einer Großdruckerei wurde die gesamte Druckluftversorgung modernisiert. Alte Schraubenkompressoren (Bj. 2002) mit ineffizienter Volllast/Leerlauf-Regelung wurden gegen drehzahlgeregelte, hocheffiziente Anlagen ausgetauscht und mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. Dadurch spart das Unternehmen pro Jahr etwa 392.550 kWh Strom sowie 406.000 kWh Erdgas ein, was einer CO₂-Einsparung von rund 230 Tonnen jährlich entspricht. Die Investition wurde durch Fördermittel unterstützt und hat die Energieeffizienz der Druckerei drastisch verbessert. Dieses Beispiel verdeutlicht den Nutzen einer ganzheitlichen Optimierung – von der Technik (neue Kompressoren, WRG) über die Steuerung bis zur Förderung – und dient anderen Betrieben als Benchmark, was im Bereich Druckluft möglich ist.

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