Installation und Inbetriebnahme
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Installation und Inbetriebnahme
Nach Abschluss der Planung und Beschaffung der Komponenten folgt die Installation der Druckluftanlage vor Ort sowie deren Inbetriebnahme. Diese Phase ist geprägt von der praktischen Umsetzung und vom Übergang aus dem Projekt in den Betrieb. Aus FM-Sicht stehen hier Termin- und Qualitätssicherung, Sicherheit bei Montage/Start sowie die Übergabe in einen dokumentierten, konformen Betriebszustand im Vordergrund.
Installation und Inbetriebnahme
- Montage und Aufstellung
- Sicherheitsvorkehrungen
- Erstinbetriebnahme
- Abnahme durch Prüfstelle
- Übergabe in den Betrieb
Montage und Aufstellung
Die Installation umfasst das Aufstellen der Kompressoren, das Verlegen des Rohrleitungsnetzes, den Einbau der Druckluftbehälter, Trockner, Filter und aller Armaturen. Wichtig ist eine fachgerechte Montage gemäß den Planungsunterlagen und Herstelleranweisungen. Beispielsweise müssen Druckluftleitungen spannungsfrei und ohne unnötige Bögen verlegt werden, um Strömungsverluste und potenzielle Leckstellen zu minimieren. Alle Verbindungen sind sorgfältig mit geeigneten Dichtmitteln (z. B. Teflonband oder Flüssigdichtung) herzustellen und mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anzuziehen. Während oder nach der Verlegung erfolgt eine Dichtheitsprüfung des gesamten Systems: Das Netz wird auf Betriebsdruck gebracht und gezielt nach Leckagen abgesucht. Hierbei kommen Lecksuchsprays oder Seifenlauge zum Einsatz – die Bildung von Blasen an Verbindungsstellen zeigt selbst kleinste Undichtigkeiten zuverlässig an. Alternativ oder ergänzend können Ultraschall-Leckdetektoren genutzt werden, um hochfrequente Schallemissionen aus Lecks zu orten. Auch ein Druckabfalltest über definierte Zeit (Druckhalteprüfung) liefert Aufschluss über die Gesamtdichtheit. Entdeckte Leckagen müssen vor Inbetriebnahme behoben werden, da sie sonst unmittelbar zu Effizienzverlusten führen würden. Die Dichtheitsprüfung und deren Ergebnisse sind zu dokumentieren (z. B. als Prüfprotokoll), da sie Teil der Qualitätssicherung vor Abnahme der Anlage ist.
Parallel zur mechanischen Montage erfolgt die Installation der Steuerungs- und Elektrotechnik. Kompressoren und Peripherie werden elektrisch angeschlossen (Versorgungskabel, Steuerleitungen) und in die Steuerungs- bzw. Automatisierungssysteme integriert. In modernen Einrichtungen bedeutet das häufig die Anbindung an ein zentrales SCADA-System oder die Gebäudeleittechnik, um die Anlage fernzuüberwachen (dazu später mehr im Abschnitt Digitale Integration). Alle elektrischen Anschlüsse sind nach einschlägigen elektrotechnischen Normen (z. B. VDE) vorzunehmen; hierbei spielt insbesondere der Potentialausgleich und Schutzerdung eine Rolle, da Ströme und metallene Rohrleitungsnetze vorhanden sind. Zudem werden Sensoren (Drucktransmitter, Temperaturfühler, Durchflussmessgeräte, Taupunktfühler etc.) an vorgesehene Messstellen montiert und verdrahtet, sodass bei Inbetriebnahme alle Messwerte verfügbar sind.
Sicherheitsvorkehrungen bei Installation
Bei der Montage einer Druckluftanlage ist Arbeitssicherheit oberstes Gebot. Monteure tragen persönliche Schutzausrüstung (Helm, Schutzbrille, Handschuhe, ggf. Gehörschutz). Besonders kritisch ist die korrekte Installation aller Sicherheitsventile und Überdruckschutzeinrichtungen. Diese müssen an den dafür vorgesehenen Stellen (i. d. R. am Druckbehälter und ggf. an nachgeschalteten Apparaten) angebracht, auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft und gegen unbeabsichtigtes Verstellen gesichert sein. Sicherheitsventile sind „lebenswichtig, um schwere Unfälle und Anlagenschäden zu verhindern“ – sie schützen das System vor unzulässigem Druckanstieg und müssen daher absolut zuverlässig arbeiten. Oft werden sie mit Plomben versehen (zur Sicherung der eingestellten Ansprechdrücke) und ihre Ausblaseleitungen müssen gefahrlos ins Freie oder einen Sammelpunkt führen. Weitere Schutzmaßnahmen beim Aufbau umfassen die Vermeidung von Spannung auf Leitungen (Verlegeabstände, flexible Anschlüsse zur Schwingungsentkopplung) und die Kennzeichnung aller Leitungen und Absperrorgane. Eine klare Beschriftung (Tag-Labels) hilft später bei Wartung und Störungssuche und erhöht die Betriebssicherheit enorm.
Erstinbetriebnahme (Abnahme) der Anlage
Sobald die Anlage montiert und geprüft ist, folgt die eigentliche Inbetriebnahme. Hierbei werden nacheinander die Kompressoren gestartet, in Betrieb gefahren und alle Komponenten auf korrektes Zusammenwirken getestet. Die OEM-Servicetechniker oder Inbetriebnahme-Ingenieure führen üblicherweise einen definierten Abnahme-Testplan durch: Kontrolle der Druckaufbauzeiten, Test der Abschalt- und Anfahrschwellwerte, Funktionsprüfung der Trockner und Filter (erreichen sie die spezifizierte Taupunktabsenkung? wie hoch ist der Differenzdruck?), Überprüfung der Kondensatableitung, Test der Sicherheitsventile (manuelles Anlüften, sofern vorgesehen, oder Druckprovokation bis knapp unter Ansprechdruck), sowie ein Test aller Alarm- und Meldeschaltungen im Leitsystem. Der Erststart eines Kompressors erfolgt meist im Beisein des Lieferanten, um Garantiebedingungen zu wahren und sicherzustellen, dass nach Herstellerangaben vorgegangen wird. Dabei werden Messdaten erhoben, z. B. erzielte Liefermengen, Betriebstemperaturen, erzielter Systemdruck, Leistungsaufnahme, um sie mit den Spezifikationen abzugleichen.
Abnahme durch Prüfstelle
Ein kritischer Schritt, bevor der Routinebetrieb beginnt, ist die gesetzlich geforderte Prüfung vor Inbetriebnahme nach § 15 BetrSichV. Diese Prüfung dient dazu, die Sicherheit der Druckanlage vor der ersten Nutzung zu bestätigen. In Deutschland ist der Betreiber verpflichtet, diese Prüfung durch eine befähigte Person oder eine ZÜS durchführen zu lassen. Welche Institution prüft, hängt vom Gefährdungspotenzial (PS × V-Produkt des Behälters) ab: Liegt PS × V unter 200 bar·Liter, kann eine vom Betreiber beauftragte befähigte Person die Abnahme durchführen; bei größeren Behältern (>200 bar·L) muss eine zugelassene Überwachungsstelle (ZÜS) (z. B. TÜV, DEKRA) hinzugezogen werden. In manchen Fällen – etwa bei sehr kleinen Behältern oder mobilen Kompressoren mit Zulassung – kann die Abnahme entfallen, aber dies sind Ausnahmen. Praktisch bedeutet die Prüfung vor Inbetriebnahme, dass der Prüfer kontrolliert: sind die Behälterpapiere vollständig (z. B. Konformitätsbescheinigung, Zeichnungen, Berechnungen), entspricht die Anlage den Angaben (richtige Aufstellung, druckhaltende Teile unbeschädigt), funktionieren die Sicherheitseinrichtungen (Probelüften Sicherheitsventil, Test der Druckschalter) und wurde eine Gefährdungsbeurteilung erstellt. Bei positivem Ergebnis wird dies im Prüfbericht festgehalten und ggf. eine Prüfplakette angebracht. Wichtig: Ohne bestandene Abnahmeprüfung darf die Anlage nicht in Betrieb gehen – selbst ein Probebetrieb ist unzulässig. Der Gesetzgeber fordert die Prüfung „tatsächlich vor der Inbetriebnahme“, um jegliches Risiko vorab zu minimieren. Versäumnisse stellen eine Ordnungswidrigkeit dar, bei beharrlicher Nichtbeachtung gar eine Straftat.
Übergabe in den Betrieb
Ist die Inbetriebnahme erfolgreich abgeschlossen und die behördliche/gesetzliche Abnahme erfolgt, geht die Anlage in den Eigentum des Betreibers über (falls extern errichtet) bzw. wechselt formal vom Projektstatus in den Betriebsstatus. Jetzt müssen alle relevanten Unterlagen vorliegen und übergeben werden: Betriebsanweisung für das Personal, Konformitätsbescheinigungen und Herstellerzeugnisse (z. B. Abnahmeprüfzeugnisse nach EN 10204) für Druckgeräte, Prüfprotokolle der Abnahmeprüfung, Prüfbuch für Druckbehälter falls erforderlich (für PS × V > 1000 muss ein Prüfbuch geführt werden), Wartungsanleitungen, Ersatzteillisten und Schaltpläne. Der Betreiber (Facility Management) übernimmt diese Dokumentation in sein Anlagenmanagement-System. Außerdem wird ein Wartungsplan aufgestellt (oft in Zusammenarbeit mit dem OEM), der alle vom Hersteller empfohlenen Inspektions- und Wartungsintervalle auflistet. Eventuell werden bereits Wartungsverträge mit dem Hersteller oder Servicefirmen abgeschlossen, um langfristig Betreuung zu sichern.
An diesem Punkt ist die Anlage bereit für den Übergang in den Dauerbetrieb. Die Installation-&-Inbetriebnahme-Phase endet mit der Förmlichen Abnahme: Der Betreiber oder sein Vertreter bestätigt, dass die Anlage gemäß Bestellung und Vorschrift errichtet wurde, und der Lieferant übergibt die Verantwortung an den Betreiber. Nun beginnt der Regelbetrieb – mit all seinen Anforderungen an Überwachung, Instandhaltung und Wirtschaftlichkeit, die im nächsten Abschnitt beschrieben werden.
