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Energiekennzahlen für Druckluft belastbar auswerten

Facility Management: Druckluftanlagen » Betrieb » VDI 3810 » Energiekennzahlen

Die Bilanzgrenze vor der Kennzahl festlegen

Eine Kennzahl ist nur vergleichbar, wenn bekannt ist, welche Anlagen und Energiemengen sie umfasst. Für eine Druckluftstation kann die Messung ausschließlich Verdichter oder zusätzlich Trockner, Kühlung und andere Hilfsverbraucher einschließen. Auch der Messpunkt der Luftmenge ist entscheidend. Eine Messung vor der Aufbereitung erfasst andere Mengen als eine Messung nach einem Verfahren mit eigenem Regenerationsverbrauch. DIN EN ISO 11011 betrachtet die energetische Bewertung des Druckluftsystems über Erzeugung, Übertragung und Nutzung. Für die betriebliche Auswertung werden daraus klare Bilanzgrenzen abgeleitet. Die Dokumentation zeigt Zähler, zugeordnete Komponenten und nicht erfasste Anteile. So lässt sich später erkennen, ob eine Veränderung aus verbesserter Technik oder lediglich aus einer veränderten Messgrenze stammt.

Energiekennzahlen für Druckluft belastbar auswerten

Luftmengen mit eindeutigen Bezugsbedingungen führen

Das Volumen eines Gases hängt von Druck und Temperatur ab. Messwerte in Betriebskubikmetern und auf einen Referenzzustand bezogene Luftmengen sind deshalb nicht ohne Weiteres vergleichbar. Auch ähnlich bezeichnete Referenzvolumina können unterschiedliche Bezugstemperaturen und Bezugsdrücke verwenden. Die Messstellenliste dokumentiert daher die tatsächlich eingestellten Bedingungen und die verwendete Einheit. Änderungen an Messgeräten werden mit der Auswertung abgestimmt. Für Zeitreihen müssen außerdem Zählerrücksetzungen, Datenlücken und unterschiedliche Zeitstempel erkennbar sein. Elektrische Energie und Luftmenge werden über denselben Zeitraum bilanziert. Eine spezifische Kennzahl wird erst berechnet, wenn diese Grundlagen zusammenpassen. Bei sehr kleinen Mengen kann ein Verhältniswert stark schwanken und benötigt eine entsprechend vorsichtige betriebliche Interpretation.

Kennzahl

Aussage bei klarer Definition

Ergänzende Information

Elektrische Energie

Aufwand innerhalb der Bilanzgrenze

Zeitraum und erfasste Hilfsverbraucher

Spezifischer Energiebedarf

Energie je definierter Luftmenge

Bezugszustand und Messort

Verbrauch außerhalb der Produktion

Verbleibender Luftbedarf

Tatsächlich aktive Anwendungen

Wiedergewonnene Wärme

Wärme am festgelegten Übergabepunkt

Nutzungszeit und ersetzte Wärmeerzeugung

Produktionsbedingungen für Vergleiche berücksichtigen

Ein geringerer Jahresstromverbrauch kann aus weniger Produktion entstehen. Umgekehrt kann ein höherer Verbrauch trotz verbesserter Anlagenfahrweise auftreten, wenn mehr oder anspruchsvollere Anwendungen versorgt werden. Die Auswertung verbindet deshalb Energiedaten mit geeigneten Einflussgrößen. Dazu gehören Betriebsstunden, Produktmix, erforderlicher Druck und tatsächlich bereitgestellte Qualität. Welche Größen relevant sind, wird anhand des jeweiligen Betriebs ermittelt. Ein einfacher Bezug auf produzierte Stückzahlen genügt nicht, wenn die Stücke sehr unterschiedliche Druckluftbedarfe haben. Vergleichbare Betriebszustände können eine belastbarere Grundlage bieten. Veränderte Anforderungen werden im Bericht sichtbar gemacht. Die verantwortlichen Personen vereinbaren, welche Aussage die Kennzahl tragen soll, bevor daraus Zielwerte, Vergütungen oder Investitionsentscheidungen abgeleitet werden.

Einsparungen mit einer nachvollziehbaren Ausgangslage bestimmen

Vor einer Optimierung wird ein geeigneter Ausgangszustand dokumentiert. Nach der Maßnahme werden die Ergebnisse unter vergleichbaren Bedingungen erfasst oder mit einem begründeten Verfahren angepasst. Messunsicherheit und nicht erklärte Abweichungen bleiben erkennbar. Werden mehrere Maßnahmen gleichzeitig umgesetzt, ist eine eindeutige Einzelzuordnung der Einsparung möglicherweise nicht möglich. In diesem Fall wird der gemeinsame Effekt ausgewiesen. Eine geschätzte Leckageersparnis wird nicht zusätzlich zu einer bereits gemessenen Gesamtstromersparnis als weiterer Nutzen addiert. Ebenso werden Wärmenutzung und verminderter Strombedarf getrennt bilanziert. Die wirtschaftliche Bewertung verwendet die tatsächlich zutreffenden Preisbestandteile. Eine geringere elektrische Leistungsspitze kann einen anderen Kosteneffekt haben als eine gleiche Verringerung der bezogenen Energiemenge über das Jahr.

Abweichungen in konkrete Betriebsmaßnahmen übersetzen

Kennzahlen dienen der Betriebsführung, wenn aus auffälligen Veränderungen eine nachvollziehbare Untersuchung folgt. Steigt der spezifische Energiebedarf, werden unter anderem Lastverteilung, Leerlauf, Aufbereitung und veränderte Anforderungen betrachtet. Ein plötzlicher Sprung kann auch auf eine Messgeräteänderung zurückgehen. Deshalb wird die Datenqualität vor einer technischen Schlussfolgerung geprüft. Der Bericht benennt Ursache, Maßnahme und verantwortliche Bearbeitung, soweit diese bereits bekannt sind. Ungeklärte Befunde erhalten einen weiteren Untersuchungsauftrag. Nach der Umsetzung wird die Wirkung bestätigt und der Vergleichsstand bei einer grundlegenden Nutzungsänderung begründet angepasst. Eine unveränderte Zielzahl ist wenig hilfreich, wenn sie inzwischen eine andere Versorgung beschreibt. Belastbare Kennzahlen bleiben mit dem realen Anlagenbetrieb und seinen Entscheidungen verbunden.