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Schnittstellen zu Produktions- und Versorgungseinrichtungen

Facility Management: Druckluftanlagen » Druckluftanlagen » Integration in Gebäude » Schnittstellen zu Produktions- und Versorgungseinrichtungen

Schnittstellen zu Produktions- und Versorgungseinrichtungen

Schnittstellen zu Produktions- und Versorgungseinrichtungen im Druckluftsystem

Schnittstellen im Druckluftsystem sind alle definierten Übergabepunkte, an denen die Druckluftversorgung mit Produktionsanlagen (Verbraucher) sowie mit versorgungs- und gebäudetechnischen Systemen (z.B. Stromversorgung, Kühl- oder Lüftungsanlagen, MSR/GLT) zusammenwirkt. Diese Schnittstellen sind für das Facility Management besonders kritisch, da hier Anforderungen an Betriebsdruck, Luftqualität, Verfügbarkeit und Sicherheit unmittelbar wirksam werden. Fehlkoordinationen an diesen Übergängen führen häufig zu Betriebsstörungen, ineffizientem Betrieb oder Sicherheitsrisiken. Ziel ist es, eine FM-gerechte, klar dokumentierte und organisatorisch beherrschbare Schnittstellenlogik im gesamten Lebenszyklus des Druckluftsystems sicherzustellen.

Die Schnittstellenorganisation im Druckluftsystem verfolgt FM-orientierte Ziele, insbesondere:

  • Zuverlässige und bedarfsgerechte Versorgung der Produktionsverbraucher mit Druckluft gewährleisten.

  • Abgestimmten Betrieb der Versorgungsgewerke (z.B. elektrische Energie, Kühlung, Gebäudeautomation) sicherstellen.

  • Klare Regelung von Zuständigkeiten, Freigaben und Dokumentation an allen Schnittstellenpunkten erreichen.

Geltungsbereich und Systemgrenze

Betrachtet werden alle Schnittstellen vom Erzeugungs- und Aufbereitungsbereich der Druckluft bis zum Point-of-Use (Nutzungspunkt der Verbraucher) sowie alle zugehörigen Versorgungs- und Gebäudeanschlüsse. Dazu gehören beispielsweise die elektrische Energieversorgung der Kompressoren und Steuerungseinheiten, das Abwärme- bzw. Kühlkonzept der Anlage (z.B. Wasserkühlung oder Luftkühlung nach dem Nachkühler, Wärmerückgewinnungssysteme), die Anbindung an die Gebäudeleittechnik (GLT) sowie bauliche Durchbrüche für Rohrleitungen und Kabel (z.B. Verschraubungen, Durchführungen durch Decken).

Grundbegriffe für die Schnittstellensteuerung

  • Übergabepunkt: Ein definierter Punkt im System, an dem Zuständigkeiten, Betriebsparameter und Schnittstellenbedingungen festgelegt werden (z.B. Netzeinspeisung, Zonenabgang, Entnahmearmatur).

  • Verbraucherschnittstelle: Anschlussstelle, an der Produktionsanlagen, Maschinen oder Werkzeuge an das zentrale Druckluftnetz angeschlossen sind.

  • Versorgungsschnittstelle: Verknüpfung der Druckluftanlage mit anderen Versorgungs- oder Medienanlagen (z.B. Stromversorgung, Kühlwasser, Abluftsystem, USV).

Schnittstellen zu Produktionseinrichtungen (Verbraucherseite)

Diese Schnittstellen umfassen alle Verbindungen, über die Druckluft an Produktionsprozesse abgegeben wird. Dazu gehören z.B. Maschinendruckluftanschlüsse an Werkzeugmaschinen, Fertigungslinien und Arbeitsplätzen sowie Prozessstationen mit pneumatischen Steuerungen oder Ventilen. An diesen Entnahmepunkten gelten jeweils festgelegte Anforderungen an den Nutzdruck, den Volumenstrom und die Luftqualität (z.B. Reinheitsklassen nach DIN EN ISO 8573-1, Drucktaupunkt-Vorgaben). Die Schnittstelle regelt den Anschlussstandard (z.B. Rohrdimension, Kupplungsart) und die einzuhaltenden technischen Sollwerte.

Schnittstellen zu Versorgungseinrichtungen (Medien- und Serviceabhängigkeiten) - Diese Schnittstellen beschreiben die Abhängigkeiten der Druckluftanlage von anderen Versorgungs- oder Infrastruktursystemen:

  • Stromversorgung: Anschluss der Kompressoren und Steuerungseinheiten an die elektrische Energieversorgung (Hauptanschluss, Schaltanlagen, Sicherungen) sowie ggf. Notstromaggregate oder USV-Systeme für kritische Steuerungen und Meldetechnik.

  • Kühlung/Abwärme: Anbindung von Kühlkreisläufen (z.B. Wasserkühlung nach dem Nachkühler, Luftkühlung) zur Ableitung der bei der Verdichtung entstehenden Abwärme. Einbindung von Wärmerückgewinnungssystemen zur Warmwasserbereitung oder Raumheizung.

  • Lüftung/Klimatisierung: Technisches Belüftungskonzept für den Kompressorenraum (Zuführungs- und Abluftsysteme), um eine akzeptable Betriebstemperatur und Luftfeuchtigkeit sicherzustellen.

  • Kondensatableitung: Entwässerungssystem für das anfallende Kondensat aus Trocknern und Behältern (Kondensatableiter, Sammeltanks, Rohrleitungen zur Ableitung).

  • Notstromversorgung: Bereitstellung von Notstrom oder USV für wesentliche Überwachungs- und Alarmkomponenten, um bei Stromausfall die Druckluftanlage sicher herunterzufahren.

Schnittstellen zu Gebäude- und Sicherheitsinfrastruktur - Diese Schnittstellen betreffen die bauliche und sicherheitstechnische Integration:

  • Rohrleitungsführung und Durchdringungen: Abstimmung der Trassenführung von Druckluftleitungen durch das Gebäude, inklusive Brandschutzabschottungen (z.B. Brandschutzmanschetten) und Einhaltung von Bauvorschriften.

  • Zugangskonzepte zu Technikräumen: Festlegung von Zutrittsberechtigungen und Sicherheitsmaßnahmen für Räume, in denen Kompressoren, Steuerungen oder Lagerbehälter stehen (z.B. Schlüssel, Schilder, Verriegelungen).

  • Flucht- und Rettungswege: Gewährleistung, dass Flucht- und Rettungswege durch die Platzierung der Drucklufttechnik nicht beeinträchtigt werden, und Kennzeichnung von Notausgängen.

  • Sicherheitseinrichtungen: Integration von Not-Aus-Schaltern, Warnhinweisen und Absperreinrichtungen an sicherheitsrelevanten Punkten (z.B. Druckluftschieber, Schaltanlagen) sowie Markierung von Gefahrenbereichen.

Übersicht der Schnittstellen (FM-Basislandkarte):

Schnittstellenfeld

Typische Übergabepunkte

Typische Inhalte, die festzulegen sind

FM-Relevanz (Basis)

Produktion/Verbraucher

Maschinenanschluss, Entnahmestelle, Zonenabgang

Nutzdruck, Bedarf, Qualitätsniveau, Anschlussstandard

Verfügbarkeit, Prozessstabilität

Elektroversorgung

Einspeisung Kompressoren, Schutz-/Schaltgeräte

Leistungsbereitstellung, Abschaltlogik, Zugänglichkeit

Betriebssicherheit, Störfallmanagement

Kühlung/Abwärme

Kühlwasser- oder Luftführung, Wärmerückgewinnung

Temperatur-/Lastabhängigkeit, Betriebszustände

Effizienz, Anlagenstabilität

GLT/MSR (Automation)

Meldungen, Betriebszustände, Alarme

Signalumfang, Zuständigkeiten, Eskalationswege

Transparenz, Reaktionszeiten

Gebäude/Brandschutz

Rohrleitungs- und Kabeldurchführungen, Technikräume

Abschottung, Zugang, Kennzeichnung

Compliance, Wartbarkeit

Technische Mindestdefinition am Übergabepunkt - Jede Schnittstelle sollte mindestens folgende technische Kenngrößen definieren:

  • Benötigtes Druckniveau am Verbraucher (Betriebsdruck) und zulässige Druckschwankungen (z.B. ±X %).

  • Erforderliche Druckluftqualität (z.B. Festlegung der Reinheitsklasse für Feststoffe, Feuchte und Öl gemäß DIN EN ISO 8573-1).

  • Maximaler Volumenstrom oder Anschlussleistungsbedarf der Verbraucher (zur Auslegung der Rohrleitung und Absicherungen).

  • Vorgaben zur Absperr- und Sicherheitslogik (z.B. zonenweise Abschaltbarkeit, Rückschlag- und Sicherheitsventile, Not-Abschaltung).

Organisatorische Mindestdefinition - Schnittstellen müssen organisatorisch so geregelt sein, dass folgende Punkte eindeutig festgelegt sind:

  • Zuständigkeiten: Wer darf neue Verbraucher anschließen oder Änderungen vornehmen? Wer nimmt die Schnittstelle ab?

  • Freigaben: Welche Genehmigungen und Abnahmen sind vor Inbetriebnahme erforderlich?

  • Störungs- und Eskalationswege: Wer meldet Störungen und wie werden diese weitergeleitet bzw. eskaliert?

  • Dokumentation: Welche Informationen sind bei Änderungen zu aktualisieren (z.B. CAFM-Einträge, Pläne, Abnahmeprotokolle)?

Dokumentations- und Kennzeichnungsanforderungen (FM-tauglich) - Zur dauerhaften Nachvollziehbarkeit und Auditierbarkeit sind u.a. folgende Maßnahmen notwendig:

  • Eindeutige Kennzeichnung: Alle Schnittstellenpunkte, Absperr- und Messstellen müssen klar beschriftet und ggf. farblich codiert sein (z.B. Zonenkennzeichen, Ventilnummern).

  • Planstände: Die technischen Pläne (Rohrleitungs-, Energie- und GLT-Pläne) müssen den aktuellen Ausbaustand widerspiegeln; Änderungen sind versioniert nachzuführen.

  • Asset-Struktur im CAFM/CMMS: Eine konsistente Anlagen- und Assetstruktur erfasst Schnittstellenobjekte inklusive ihrer Parameter und zugehöriger Dokumente (z.B. Spezifikationen, Prüfprotokolle).

Minimaler Datensatz je Schnittstelle (FM-Basis):

Datenfeld je Schnittstelle

Zweck im FM-Prozess

Beispielhafte Ausprägung (ohne Zahlen)

Schnittstellen-ID / Standort

Eindeutige Zuordnung

Zone / Raum / Linie

Art der Schnittstelle

Kategorisierung der Anforderungen

Verbraucher / Versorgung / Automation (GLT)

Sollzustand am Übergabepunkt

Abnahme und Betrieb

Druck- bzw. Qualitätsanforderung (qualitativ)

Absperr- und Zugangslogik

Wartung und Notfall

Zonenabsperrung, zugänglich, beschildert

Verantwortliche Rollen

Governance

FM / Produktion / Servicepartner

Nachweis/Dokument

Auditfähigkeit

Bestandsplan, Abnahmeprotokoll, Wartungsplan

Risiken an Schnittstellen und grundlegende Steuerungsmaßnahmen - Häufige Ursachen für Störungen an Schnittstellen sind:

  • Ungeplante Änderungen bei Verbrauchern (z.B. nachträgliche Erweiterungen oder Umbauten) ohne Abstimmung mit dem FM.

  • Nicht dokumentierte Änderungen an Leitungen oder Anschlüssen.

  • Unklare Zuständigkeiten bei Betrieb und Störungsfällen (z.B. Unklarheit darüber, wer bei einem Druckabfall zuständig ist).

  • Falsche Anschlussstandards oder Inkompatibilitäten (z.B. unterschiedliche Kupplungstypen, unpassender Rohrdurchmesser).

  • Fehlende Abstimmung mit Versorgungsanlagen (z.B. zu geringe elektrische Anschlussleistung oder Kühlkapazität für neue Verbraucher).

Grundlegende Kontrollen und Nachweise - Das FM steuert Schnittstellenrisiken durch:

  • Standardisierte Freigabeprozesse (Change Management): Formale Genehmigung aller Änderungen am Druckluftsystem vor Umsetzung.

  • Klare Schnittstellendefinition: Präzise Dokumentation der Übergabepunkte mit Anforderungen (Planungs- und Abnahme-Checklisten).

  • Regelmäßige Kontrollen: Wiederkehrende Sicht- und Funktionsprüfungen (Druckstabilität in Zonen, Lecksuche, Prüfung von Absperreinrichtungen).

  • Lückenlose Dokumentation: Führung und Nachweis aktualisierter Pläne, Wartungs- und Prüfprotokolle sowie Abnahmeberichte.

Risikomatrix (Basis) – Ursache, Wirkung, FM-Kontrolle:

Risiko an der Schnittstelle

Typische Wirkung

FM-Grundkontrolle

Typischer Nachweis

Unautorisierte Netzerweiterung

Druckabfall, Störungen

Freigabeprozess / Änderungsdokumentation

Aktualisierte Pläne, Abnahmeprotokoll

Falscher Anschluss/inkompatibel

Leckagen, Ausfall

Standardisierung / Anschlussvorgaben

Komponentenlisten, Kennzeichnung

Unklare Zuständigkeit bei Störung

Verzögerte Reaktion

Eskalations- und Rollenmodell

Alarm- und Meldepläne, Bereitschaftspläne

Unterdimensionierte Versorgung (Strom/Kühlung)

Instabiler Betrieb

Schnittstellenprüfung bei Planung/Änderung

Schnittstellen-Checkliste, Berechnungen

Qualitätsabweichung beim Verbraucher

Prozessprobleme

Definierte Qualitätszonen / POU-Logik

Wartungs- und Prüfberichte

Planung und Abstimmung (FM als Koordinator)

Das Facility Management integriert die Anforderungen der Produktion und der Versorgung. Es definiert die Schnittstellenpunkte (z.B. Druckluftzonen, Mess- und Absperrstellen) und stellt sicher, dass diese Anforderungen in die Planung und Ausführung eingehen. FM koordiniert die Schnittstellenparameter mit allen Beteiligten (Produktionsleitung, Technische Gebäudeausrüstung, Dienstleister) und sorgt dafür, dass Schnittstellenanforderungen (Druck, Qualität, Abschaltbarkeit etc.) in Konzeptunterlagen und Leistungsverzeichnissen verankert werden.

Inbetriebnahme, Abnahme und Übergabe in den Betrieb

Bei der Inbetriebnahme überprüft das FM-Team die Funktionsfähigkeit der definierten Schnittstellen: z.B. ob Zonensperren aktiv sind, alle Übergabepunkte korrekt beschildert sind und die Soll-Druckwerte anliegen. Außerdem wird die Vollständigkeit der Dokumentation (Bestandspläne, Prüfprotokolle, Abnahmeberichte) kontrolliert. Abschließend erfolgt die formale Übergabe der Zuständigkeiten, Meldewege und Dokumentationsaufgaben an das Betriebspersonal.

Betrieb: Monitoring, Störungsbearbeitung und Kommunikation

Im laufenden Betrieb überwacht das FM die Schnittstellen über definierte Routinen (z.B. Druckstabilitätsmessungen pro Zone, Leckageüberwachung, Auswertung von Alarmmeldungen). Bei Störungen wird deren Eingrenzung entlang der Schnittstellenlogik (z.B. betroffene Zone oder Übergabepunkt) durchgeführt, und die Fehlerbehebung wird in Abstimmung mit der Produktion priorisiert. Die Kommunikation über Schnittstellenereignisse, Statusänderungen oder Wartungsarbeiten erfolgt über festgelegte Melde- und Eskalationswege.

Änderungen: Change Management und Re-Validierung

Jede Änderung auf Verbraucher- oder Versorgungsseite wird über einen formalen Change-Management-Prozess geführt. Dazu gehören Freigabe durch die Verantwortlichen, Aktualisierung aller betroffenen Dokumente und Pläne sowie abschließende Funktionsprüfungen der Schnittstellen. Dadurch werden schleichende Druckverluste, Qualitätsabweichungen oder Abstimmungsfehler vermieden und die Konsistenz der Schnittstellenaufzeichnungen gewahrt.

Rollenübersicht (Basis-RACI):

Prozessschritt

Facility Management

Produktion / Nutzer

Servicepartner

Versorgung / IT-GLT

Anforderungen definieren

Führend (Lead)

Mitwirkend

Beratend

Mitwirkend

Schnittstellen festlegen

Führend (Lead)

Mitwirkend

Beratend

Mitwirkend

Abnahme / Übergabe

Führend (Lead)

Mitwirkend

Mitwirkend

Mitwirkend

Regelbetrieb / Monitoring

Führend (Lead)

Meldend

Ausführend

Unterstützend

Änderungen / Freigaben

Führend (Lead)

Anfordernd

Ausführend

Unterstützend