Druckluftanlagen: Akzeptanz- und Leistungsnachweise
Facility Management: Druckluftanlagen » Strategie » Betreiberverantwortung » Akzeptanz- und Leistungsnachweise
Akzeptanz- und Leistungsnachweise
Wir beschreiben die erforderlichen Nachweise für die Abnahme und den Betrieb der Druckluftanlage. Die Leistungs- und Qualitätsprüfungen erfolgen unter Bezug auf einschlägige Normen; alle Messmittel sind rückführbar zu nationalen Normalen (Kalibrierzertifikate nach ISO/IEC 17025) und die Messunsicherheiten sind in den Prüfprotokollen auszuweisen.
Betreiberverantwortung Druckluftanlagen – Nachweise & Akzeptanz
- Kompressorleistung
- Druckluftqualität
- Trocknernachweise
- Filternachweise
- Sicherheitsventile
- Wärmerückgewinnungsnachweise
Kompressorleistung nach ISO 1217
Nachweisgegenstand: Liefermenge (FAD), Paketleistungsaufnahme und spezifische Leistungsaufnahme.
Prüfverfahren: Akzeptanzprüfung gemäß ISO 1217, vorzugsweise Anhang C (elektrisch angetriebene Verdrängungskompressoren). Für drehzahlgeregelte Aggregate zusätzlich Verfahren nach Anhang E (Kennlinien über den Regelbereich).
Referenzbedingungen: Einlass-Gesamtdruck 1,0 bar(a), Einlasstemperatur 20 °C, relative Feuchte 0 % (trockene Luft). Korrekturrechnung von Betriebs- auf Referenzbedingungen ist auszuweisen.
Messgrößen:
FAD in m³/min (bezogen auf Referenzbedingungen),
Paketstromaufnahme/Leistung inklusive Nebenaggregate,
spezifische Leistungsaufnahme in kW/(m³/min).
Druckluftqualität nach ISO 8573
Nachweisgegenstand: Reinheitsklassen gemäß ISO 8573-1 (Partikel, Wasser, Öl) an definierten Abnahmepunkten.
Messmethoden (auszuwählen gemäß Zielklassen und Medium):
Partikel: ISO 8573-4 (optische Partikelzählung) bzw. gravimetrisch (ISO 8573-8) bei Bedarf; Klassifizierung nach Größenkanälen.
Wasser: Drucktaupunktmessung gemäß ISO 8573-3 (geeichte Spiegel-Taupunkt- oder kapazitive Hygrometer); Nachweis freier Flüssigwasserfreiheit ggf. nach ISO 8573-9.
Öl: Ölaerosole nach ISO 8573-2 (gravimetrisch auf Probenahmefiltern), Öldampf nach ISO 8573-5 (Sorbensröhrchen, GC/FID).
Gase (optional): ISO 8573-6 (CO, CO2, NOx, SO2) je nach Prozessanforderung.
Probenahme
ISO-8573-konforme Probenahmetrains, isokinetisch, Nähe zum Verbrauchspunkt hinter der Aufbereitung.
Trocknernachweise nach ISO 7183
Nachweisgegenstand: Nennleistungsdaten von Kälte-, Adsorptions- oder Membrantrocknern.
Prüfverfahren: ISO 7183 (Spezifikation und Prüfung). Nachweise umfassen:
Drucktaupunkt bei Nennbedingungen (Einlassdruck/-temperatur, Volumenstrom),
Druckverlust über den Trockner,
elektrische Leistungsaufnahme (Kältetrockner) bzw. Regenerations-/Spülluftverluste (Adsorption),
Stabilität bei Teillast und wechselnden Einlassbedingungen.
Filternachweise nach ISO 12500
Nachweisgegenstand: Abscheidegrade, Restgehalte und Druckverluste von Druckluftfiltern.
Prüfverfahren (ISO 12500-Reihe):
ISO 12500-1: Ölaerosolabscheidung (Abscheidegrad, Restöl mg/m³) bei definierter Belastung,
ISO 12500-2: Feststoffpartikel (z. B. mit ISO 12103-1 A2-Teststaub; Effizienz über Größenklassen),
ISO 12500-3: Öldampfadsorption (Durchbruchskurven, Kapazität),
ISO 12500-4: Wasserabscheider/Koaleszer (Wasserabscheidegrad).
Messgrößen
Anfangs-/End-Druckverlust bei Nennvolumenstrom, Restkonzentrationen, Belastung bis spezifizierte Endbedingungen.
Sicherheitsventile nach PED/BetrSichV
Rechtsrahmen: Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU (PED), Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) inkl. TRBS 1201; auslegungstechnisch EN ISO 4126 (Sicherheitsventile).
Nachweisgegenstand:
Auslegungs- und Kapazitätsberechnung (Volumenstrom ≥ maximal mögliche Kompressorlieferung, Szenario „Blockierter Abgang“),
Einstell- und Ansprechdruck (≤ zulässiger Betriebsüberdruck der Schutzobjekte),
Material- und Konformitätsnachweis (CE, EU-Konformitätserklärung, Werkstoffzeugnisse EN 10204 3.1),
Kennzeichnung und Plombierung.
Lüftungs- und Wärmerückgewinnungsnachweise
Lüftungsnachweis Maschinenraum: Auslegung der Luftmenge aus der Verlustleistung: V̇ ≈ PVerlust / (ρ · cp · ΔT).
Beispiel: 67,5 kW Verlustleistung, ΔT = 10 K → V̇ ≈ 67,5 kW / (1,2 kJ/(m³·K) · 10 K) ≈ 5,6 m³/s ≈ 20.000 m³/h.
Nachweis durch Messung der Zu-/Abluftvolumenströme, Raumtemperaturverlauf bei Volllast, Einhaltung der zulässigen Umgebungstemperatur des Herstellers.
Berücksichtigung von Mindestluftwechsel, Kurzschlussvermeidung, Zuluftführung (Ansaugluftqualität).
Wärmerückgewinnung (WRG): Dokumentation des WRG-Konzeptes (Abluft-/Wasser-WRG, Öl-/Wasserzwischenkreis).
Effizienznachweis: ηWRG = Q̇recovered / PVerlust; Bestimmung über Temperatur- und Volumenstrommessungen bzw. Wasserseite (ΔT, ṁ).
Komponentenprüfung nach EN 308 (Luft/Luft-WRG) bzw. Leistungsdaten von Wärmetauschern; ggf. Konformität mit EN 13053 (RLT-Geräte) und Ökodesign-Vorgaben.
Nachweis der Einflüsse auf den Systembetrieb (zusätzlicher Ventilator-/Pumpenstrom, Druckverluste, Bypassregelung).
Dokumentation
Auslegungs- und Messprotokolle, Messstellenplan, Abgleichrechnung Ist/Soll, Wartungskonzept (Filterwechsel Lüftung, Reinigung Register).
Mit diesen Nachweisen ist die Übereinstimmung der Anlage mit den vertraglichen Leistungsversprechen, den Qualitätsanforderungen der Verbraucherprozesse und den rechtlichen Pflichten belegt; die Prüf- und Messkonzepte sind in das betriebliche Prüf- und Instandhaltungssystem zu überführen.
